
Zug der Erinnerung
Ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen
In Kooperation mit:

So überschreibt Margot Kleinberger ihre Erinnerungen an die "Reichsbahn"-Deportation, die sie als 11-Jährige von Hannover in das Ghetto Theresienstadt (Terezin) führte. "Es war der 24. Juli 1942. Es regnete in Strömen. SS-Leute verteilten Zettel, auf denen stand, dass unser gesamtes Vermögen als 'kommunistisch' dem Staat verfallen sei. Mein Vater musste lachen. Welches Vermögen? Wir hatten ja gar nichts mehr, man hatte uns alles weggenommen und Kommunist war mein Vater auch nie gewesen. Der Zug wartete schon auf uns. Er bestand aus uralten Wagen der 'Holzklasse' und schäbig-schmutzigen Viehwaggons. Wir kamen in einen Holzklassewagen. Die Türen wurden von außen verschlossen. Der Zug fuhr los."
Margot Kleinberger überlebte das Ghetto, wurde 1945 befreit und kehrte in ihre Heimatstadt Hannover zurück. "Lange habe ich nicht darüber gesprochern, was tatsächlich passiert ist. Weder wollte ich meine sechs Kinder damit belasten, noch wollte ich bei den nichtjüdischen Nachgeborenen ein schlechtes Gewissen hervorrufen. Doch je mehr Zeit verstrich, desto mehr musste ich erkennen, wie viel Ungerechtigkeit uns Kindern widerfahren ist. Man hat uns unserer kindlichen Unschuld beraubt, unser Eigentum gestohlen, unsere Zukunft genommen. Eine wirkliche Entschädigung hat niemals stattgefunden..." (Margot Kleinberger: Transportnummer VIII/1 387 hat überlebt. Als Kind in Theresienstadt. Droste Verlag, 2009).