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Aktuell

In Kooperation mit:

Baden-Württemberg, Niedersachsen-Mitte, NRW, Sachsen u. Thüringen

Auszug aus dem Protokoll der Wannseekonferenz

Zug der Erinnerung Ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen

Die Ausstellung trifft in Weimar ein

Nach der Befreiung des KZ Buchenwald:
Jugendliche schreiben auf einen Bahnwaggon
"Wo sind unsere Eltern, Ihr Massenmörder"

WEIMAR - Nach dreitägigem Aufenthalt in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt macht der "Zug der Erinnerung" in Weimar Station. Unter dem Eindruck des großen Zuspruchs (über 6.500 Besucher in Gotha und Erfurt) appellierte die Landesregierung am 24. Januar an die Bahn AG, den Initiatoren sämtliche Kosten zu erlassen. Dafür setzt sich Ministerpräsident Althaus (CDU) seit Tagen ein und wünschte dem Zug in einer engagierten Rede "Freie Fahrt". Auch der bildungspolitische Sprecher der SPD Thüringen, Martin Döring, erwartet von der Bahn AG, daß sie endlich einlenkt. "Alles andere ist im Hinblick auf die Opfer der Deportationen geschmacklos", erklärte Döring. Der Vorsitzende der Partei DIE LINKE/ Thüringen übergab dem Zug einen Scheck über 1.000.- Euro. Vertreter sämtlicher Bundestagsparteien haben sich im Verkehrsauschuss für eine großzügige Spende an den "Zug der Erinnerung" eingesetzt.

Die Fahrt durch Thüringen wird auf den Bahnhöfen von Weimar und Apolda fortgesetzt. Anläßlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz (27. Januar 1945) haben die dortigen Bürgerinitiativen ein umfangreiches Begleitprogramm entworfen (Flyer). Es gilt den Opfern des KZ Buchenwald, das sich in unmittelbarer Nähe von Weimar befand.

Zum 27. Januar veröffentlichen wir einen Auszug aus dem Buch "Die große Reise". Darin erinnert sich der frühere Buchenwald-Häftling und spätere spanische Kultusminister Jorge Semprun an eine Szene aus dem Jahr 1944/1945. Wir danken unseren großzügigen Spendern Lioba und Dieter Schneyink für den Hinweis.

"Hitler kaputt" - Befreite Jugendliche aus dem
KZ Buchenwald, 1945

"Es war der letzte Winter des Krieges, der kälteste Winter dieses Krieges, dessen Ausgang sich in Kälte und Schnee entschied. Die Deutschen waren durch eine große russische Offensive, die durch ganz Polen brandete, zurückgeschlagen worden und evakuierten, soweit die Zeit reichte, die in den polnischen Lagern angesammelten Gefangenen. Tagelang, wochenlang sahen wir in der Nähe von Weimar, im Buchenwald oberhalb von Weimar, die Evakuierungstransporte ankommen. Die polnischen Juden waren tagelang, bis zu zweihundert in einem Güterwagen zusammengepfercht und ohne Essen und Trinken gelassen, in der Kälte des Winters, dem kältesten dieses Krieges gereist. Wenn man im Lagerbahnhof die Schiebetüren öffnete, regte sich zunächst überhaupt nichts, die meisten Juden waren vor Kälte und Hunger stehend gestorben, man mußte die Wagen entladen, als bestünde ihre Fracht aus Holz, und die Leichen fielen stocksteif auf den Bahnhof, man warf sie auf Haufen und fuhr sie lastwagenweise zum Krematorium. Und doch gab es noch Überlebende und Sterbende...Eines Tages...entdeckten wir (in einem Wagen) plötzlich eine Gruppe jüdischer Kinder...Die SS-Männer machten zunächst etwas ratlose Gesichter, als wüssten sie nicht so recht, was sie mit den Kindern machen sollten, diesen etwa acht- bis zwölfjährigen Kindern, von denen manche freilich durch ihre entsetzlich mageren Körper und den Ausdruck ihrer Augen eher wie Greise erschienen...Ich erinnere mich noch, wie die Kinder sich umblickten, sie blickten die SS-Männer an, sie glaubten am Anfang wohl, man wolle sie nur zum Lager begleiten...Aber die SS-Männer ließen die Hunde los und begannen, mit Knüppeln auf die Kinder einzuschlagen...Bald blieben nur noch zwei von ihnen übrig, ein großer und ein kleiner...die SS-Männer brüllten hinter ihnen, auch die Hunde begannen zu brüllen, der Blutgeruch brachte sie außer sich, aber da hielt der größere der Jungen im Laufen inne und nahm die Hand des kleineren, der schon stolperte, und sie legten zusammen noch ein paar Meter zurück, die linke Hand des Jüngeren in der rechten des Älteren, bis die Knüppel auch sie niederstreckten und sie nebeneinander mit dem Gesicht zu Boden fielen, ihre Hände auf immer vereint."